Unterstützungsbedürfnisse von Müttern in der neonatologischen Intensivversorgung nach einer Frühgeburt

Jana Herzberg, Ina Thierfelder, Michael Ewers

Abstract


Hintergrund:  Unter Rückgriff auf die aktuelle Forderung nach bedürfnisorientierter Versorgung innerhalb neonatologischer Perinatalzentren kommt professionell Pflegenden zunehmend die Aufgabe zu, für die Begleitung der Familien frühgeborener Kinder edukative Angebote zu entwickeln und diese im Rahmen einer familienzentrierten Pflege kontinuierlich vorzuhalten.

Ziel: Dieser Beitrag beschreibt die subjektiven Bedürfnisse von Müttern zu früh geborener Kinder im Kontext der postpartalen stationären Versorgung, um die Frage nach der Bedürfnisorientierung vorhandener Unterstützungsangebote zu bearbeiten, die in der nationalen Forschungslandschaft Deutschlands gegenwärtig wenig Beachtung findet.

Methode: Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung wurden zur Analyse subjektiver Unterstützungsbedürfnisse leitfadengestützte Interviews mit fünf Müttern frühgeborener Kinder durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergänzend dazu, wurden die im Datenmaterial identifizierten Metaphern systematisch analysiert.

Ergebnisse: Die befragten Mütter verdeutlichen anhaltende Belastungen während der Phase der stationären Intensivversorgung ihrer Kinder. Daraus resultierende mütterliche Bedürfnisse stehen in engem Zusammenhang mit einem individuellen Lernprozess, der fördernden und hemmenden Bedingungen unterliegt und durch zeitliche Veränderungen geprägt ist. Mangelnde interdisziplinäre Kommunikation und Kooperation führt zu Informationsverlusten und wahrgenommenen Kommunikationsbarrieren aus mütterlicher Sicht.

Schlussfolgerungen: Für die Konzeption familienzentrierter Angebote des spezifischen Versorgungssegments der Neonatologie müssen neben institutionellen Bedarfsanalysen verstärkt subjektive Bedürfnisse der Nutzer im Zeitverlauf aufgegriffen werden. Auf dieser Basis können bedürfnisgerechte Interventionsformen bereitgestellt werden, die Müttern Sicherheit und Orientierung zur Bewältigung der Krisensituation bieten und sie kontinuierlich in den Versorgungsprozess ihrer Kinder einbeziehen.

 

Support needs of mothers in the neonatal intensive care (NICU) after premature birth

Background: Given the current demand for need-based healthcare provision in neonatal intensive care centers, professional nurses are increasingly called upon to develop and continuously provide patient education offers for families with premature infants as part of family-centered nursing.

Objective: This article presents premature infants’ mothers’ subjective needs in the context of postnatal inpatient care, in order to assess the need orientation of existing support interventions, which is currently receiving little attention in German research.

Method: As part of a qualitative study, semi-structured interviews were conducted with five premature infants’ mothers in order to analyze their subjective support needs, and were subjected to content analysis. Additionally, metaphorical representations identified in the interview material were systematically analyzed.

Results: Interviewed mothers report experiencing continuous stress during their infants' stay in the neonatal intensive care unit. Resulting maternal needs are associated with an individual learning process, which is subject to both facilitating and hindering factors, as well as to changes over time. From mothers' point of view, lack of interdisciplinary communication and cooperation leads to information loss and perceived communication barriers. In contrast, the integration of basic psychological needs in nursing educational and counselling interventions can facilitate maternal learning and coping strategies.

Conclusion: Alongside institutional need assessments, subjective user needs have to be increasingly considered in the development of family-centered interventions in the specific care segment of neonatology. This can lay the foundation for the provision of needs-oriented interventions, which give mothers a feeling of safety and orientation in the management of the crisis situation and continuously involve them in their children’s health care process.






DOI: https://doi.org/10.6094/KlinPfleg.2.1

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Copyright (c) 2016 Jana Herzberg, Ina Thierfelder, Michael Ewers

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ISSN 2365-7863