Skala zur Einstellung Pflegender gegenüber Patientinnen und Patienten mit Adipositas (SEPPA): Kognitive Validation

Renate Flükiger, Claudia Mischke

Abstract


Hintergrund:
Die steigende Prävalenz von Adipositas wird für die Gesundheitsversorgung und besonders für Pflegende durch deren patientennahen Versorgungsauftrag zur Herausforderung. Eine negativ geprägte Einstellung durch Vorurteile, Stereotypisierung oder Stigmatisierung bei Fachpersonen im Gesundheitswesen kann zu Fehl- oder Unterversorgung führen. Um Strategien zum Vermeiden oder Reduzieren negativer Einstellungen Pflegender zu entwickeln, bedarf es deren strukturierte Erfassung.
 
Ziel:
Die nach dem ISPOR-Standard übersetzte Skala zur Einstellung Pflegender gegenüber Patienten  mit Adipositas (SEPPA) wird im Deutschschweizer Kontext auf ihre Inhaltsvalidität überprüft.

Methode:
Pflegende verschiedener Qualifizierungsstufen wurden in zwei Testgruppen mittels kognitiver Interviews befragt. In einem iterativen Vorgehen wurden die Antwortprozesse bezüglich Verständlichkeit und Antwortqualität geprüft und die Skala angepasst.

Ergebnisse:
Basierend auf 16 kognitiven Interviews wurden 16 Items unverändert in die finale Version übernommen. Um den situativen oder personalen Kontext zu präzisieren, waren bei 20 Items sprachliche oder formale Anpassungen notwendig. Das Antwortformat als zehnstufige Intervallskala erwies sich als praktikabel.

Schlussfolgerungen:
Die SEPPA ist darauf ausgelegt, die Einstellungen Pflegender gegenüber Patienten mit Adipositas strukturiert zu erfassen. Auf Basis der Resultate könnten zukünftig passende Förderungsangebote entwickelt werden und so einer allfälligen Stigmatisierung und deren Folgen entgegenzuwirken. Die regelgeleitete Übersetzung der Skala zeigt einerseits, wie bedeutsam eine kultursensible Anpassung eines Instruments ist, auch wenn dieses bereits auf einem kulturübergreifenden theoretischen Konzept basiert. Anderseits weist die Diskussion der Ergebnisse aber auch darauf hin, dass die zunehmende Migration und die damit verbundene sprachliche Vielfalt eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung einer Deutschschweizer Version darstellt. Dies betrifft Übersetzungen wie Neuentwicklungen gleichermaßen. Umso zentraler scheint die noch anstehende psychometrische Testung des inhaltsvalidierten Instruments.

Schlagwörter:
Adipositas, Übergewicht, Einstellungen von Fachpersonen Gesundheitswesen, Pflege, Stigma, Kognitive Interviews

 

Scale of attitudes of nurses towards patients with obesity: Cognitive validation

Background:
The increasing prevalence of obesity presents a particular challenge for nurses because of their close interaction with patients. Negative attitudes such as prejudice and stigmatization can lead to incorrect or inadequate provision. Structured approaches need to be developed to avoid or reduce negative attitudes among nurses.

Aim:
In accordance with ISPOR Standards, to review the content validity and verify the quality of the scale for measuring the attitudes of nurses towards patients with obesity (SEPPA).

Method:
Nurses with different qualifications were divided into two groups and cognitive interviews were conducted. The answer processes were evaluated for comprehensibility and answer quality and the scale was adjusted.

Results:
Based on 16 cognitive interviews, 16 unmodified items were included in the final version; 20 items were amended formally or linguistically to specify the situational or personal context. The ten-point scale proved practical.

Conclusions:
The purpose of SEPPA is to provide a structured record of nurse’s attitudes towards patients with obesity. The results provide a basis for the development of future measures to counter prejudice and prevent possible stigmatisation. The rule-based translation of the scale underlines the importance of a culturally sensitive adaptation of the instrument, even though this is already based on a cross-cultural theoretical concept. The discussion of the results indicates that increasing migration and linguistic diversity present a particular challenge for the development of a Swiss-German model. This applies equally to translations and new developments. In this context, the need for psychometric testing assumes even greater importance.

Keywords:
Obesity/overweight, attitude of health professionals, nursing, stigma, cognitive debriefing




DOI: https://doi.org/10.6094/KlinPfleg.3.102

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ISSN 2365-7863