Die Verwendung des Intensivtagebuches durch Pflegepersonen zweier Wiener Intensivstationen – eine quantitative Dokumentenanalyse

Marlies Druckenthaner, Patrik Heindl

Abstract


Hintergrund:
Die Behandlung auf einer Intensivstation kann bei Patienten zu psychischen Folgeerkrankungen führen. Betroffene besitzen nach ihrem Krankenhausaufenthalt ein erhöhtes Risiko an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden. Das Verfassen eines Intensivtagebuches während des Stationsaufenthaltes, ermöglicht es den Patienten, Erinnerungen besser zu deuten und gemachte Erfahrungen zu verarbeiten. Dadurch fallen Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung sowie jene einer Angststörung oder Depression seltener bzw. milder aus. Auch die gesundheitsbedingte Lebensqualität kann verbessert werden. In Österreich stellt das Intensivtagebuch noch eine relativ junge, meist pflegerische Intervention dar.

Ziel:
Die vorliegende Studie setzte sich zum Ziel, die pflegerischen Einträge der auf zwei Intensivstationen österreichischer Krankenhäuser geführten Intensivtage- bücher auf ihre quantitativen und inhaltsbezogenen Merkmale hin zu untersuchen und diese mit den in der Literatur formulierten Empfehlungen dazu, wie ein Intensivtagebuch geschrieben werden soll, zu vergleichen.

Methode:
Die Intensivtagebücher wurden im Sinne einer quantitativen Dokumentenanalyse ausgewertet.

Ergebnisse:
Zur Verwendung kamen 26, auf zwei Intensivstationen in Wien geführte Tagebücher. Durch die Inhalte der einzelnen Tagebucheinträge ist es dem Leser möglich, einen groben Krankheitsverlauf im Intensivtagebuch nachzuvollziehen. Im Rahmen der Auswertung konnte eine sehr hohe Anzahl an pflegerischen Einträgen gezählt werden, aber auch Angehörige nutzten das Tagebuch, um selbst hineinzuschreiben. Häufig wurden in den Einträgen pflegerische und medizinische Handlungen beschrieben. Auch Umgebungsgeräusche und Besucher wurden erwähnt. Die analysierten Tagebucheinträge waren ausführlich und wurden wertschätzend formuliert.

Schlussfolgerungen:
Auf der Grundlage der Ergebnisse konnten Aussagen darüber getroffen werden, wie das Intensivtagebuch derzeit durch die Pflegepersonen zweier Wiener Intensivstationen verwendet wird bzw. welche Themen die Tagebucheinträge beinhalten. Der Vergleich mit der Literatur zeigt, dass die meisten der empfohlenen Richtlinien umgesetzt werden. Den Ergebnissen ist aber auch Verbesserungsbedarf zu entnehmen.

Schlüsselbegriffe:
Intensivtagebuch, Verwendung durch Pflegepersonen, Dokumentenanalyse, Inhaltsanalyse

 

Application of ICU-diaries by nurses of two Viennese Intensive Care Units – a quantitative document analysis

Background:
Patients discharged from intensive care units (ICU) have an increased risk for posttraumatic stress and/or other psychiatric diseases. ICU-diaries, a fairly new intervention used by intensive care nurses in Austria, can help these patients by reconstructing their memories and experiences of the ICU stay. The experience recall collected through the diaries aims to reduce new symptoms of posttraumatic stress, anxiety and depression and improve overall quality of life in affected patients.

Aim:
The aim of this study was to analyse the quantitative characteristics of two Viennese ICU kept diaries and to compare how these diaries were written with literature-defined ICU diary writing recommendations.

Method:
The ICU-diaries were evaluated by quantitative document analysis.

Results:
Twenty-six diaries, collected from two Viennese ICUs, were examined. In reading through the contents of ICU-diaries, it was possible to reconstruct patients’ course of disease. In addition to the frequent entries from the ICU nursing staff, there were entries from patient family members. The entries of the ICU-diaries were written in and were appreciatively formulated.

Conclusion:
From the results obtained, it is possible to comment on the usage of the ICU-diary by nurses of the two Viennese ICUs, like how often they are used to write entries and which topics are mentioned. Furthermore, although a limited ICU diary assessment was conducted in this study, aspects of published guidelines, which explain how diaries should be written, were well implemented. This study represents the first step in determining the usage of the diary in Austrian ICUs. Further research is needed to detect possible problems facing nurses by keeping ICU-diaries and to show the potential benefits of maintaining a diary in Austrian ICUs.

Keywords:
ICU diary, application, document analysis






DOI: https://doi.org/10.6094/KlinPfleg.4.27

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ISSN 2365-7863